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Interview zum Thema „Zeltkino Hiddensee“ mit Frau Dr. Christiane Wolff (Geschäftsführerin der Insel Information Hiddensee GmbH) 11. Juni 2010
Frau Dr. Wolff, wie aus mehreren öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung und des Bauausschusses bekannt, soll das beliebte Zeltkino an einem neuen Standort im „Kinowäldchen“ neu errichtet werden. Warum kam es zu dieser Entscheidung?
» Im Herbst 2002 hatte der langjährige Betreiber des Zeltkinos, Herr Ekkehard Gau, seine Tätigkeit aufgegeben. Die Insel Information übernahm den Kinobetrieb, das war politischer Wille. Ein Pachtvertrag mit dem Grundstückseigentümer sicherte den Fortbestand des Zeltkinos, verpflichtete die Insel Info aber auch zur Unterhaltung der gesamten Zeltkinokonstruktion, so dass diese einer Abnahme durch das Bauordnungsamt genügen konnte.
Der Ankauf des alten Zeltkinostandortes scheiterte an den Finanzen. Für die Insel Info war die verlangte sechsstellige Summe nicht aufzubringen. Ein Kaufangebot der Insel Info auf Grundlage des Bodenwertes wurde nicht angenommen. Auch die vom Eigentümer alternativ verlangte Pacht war für die Zukunft nicht zu leisten, so dass der Ankauf einer Fläche in unmittelbarer Nähe des alten Standortes eine gute Alternative darstellte und eine ideale Voraussetzung ist, um den Fortbestand des Zeltkinos durch eine solide Investition langfristig zu sichern. «
Der neue Standort des Kinos soll auch eine neue Wegeführung erhalten, was bei den Anliegern des Gebietes zu Protesten und Eingaben führte. Warum war die alte Wegeführung nicht zu erhalten?
» Ein Großteil des Kinogrundstücks war vor einigen Jahren zum Verkauf ausgeschrieben. Der Verkäufer hat die neue Wegeführung auf dem Grundstück damals festgelegt. Die Insel Info konnte das Kinowäldchen erwerben, hatte aber keinerlei Einfluss auf die bereits vorhandene neue Wegeführung. «
Vor drei Jahren war das „alte Zeltkino“ aufwendig rekonstruiert worden, bekam z. B. eine neue Außenhaut und einen neuen Fußboden. Waren diese Investitionen in den Sand gesetzt?
» 2007 konnte der Betrieb wegen erheblicher Mängel an der alten Konstruktion (aus dem Jahre 1964) nicht fortgesetzt werden, so dass kurzfristig eine neue Zelthalle am alten Platz den Fortbestand der Kinotradition sicherte. Gleichzeitig wurden Verpflichtungen aus dem Pachtvertrag und Auflagen des Bauamtes erfüllt. Beispielsweise war auch der legendäre Pflasterfußboden nicht mehr zulässig.
Zwischenzeitlich haben sich Vorgaben für das Aufstellen von fliegenden Bauten, wie Zeltkonstruktionen in der Landesbauordnung heißen, geändert. So wird neuerdings von höheren Lasten bei Wind und Schnee ausgegangen. Diese neuen Vorgaben erfüllt das bisherige Zelt nicht.
Der nun bereits erfolgte Abbau des Zeltes wurde deshalb vom Bauamt verlangt. Der Pachtvertrag der Insel Info für den alten Kinostandort hat geendet. Vertragsgemäß gehört das Zeltgerüst dem Grundstückseigentümer. «
Welche gestalterischen Vorgaben gibt es für das neue Kino und das Umland?
» Die wesentlichen Vorgaben wie z. B. den Standort auf dem Grundstück regelt der Bebauungsplan. Wir freuen uns, dass wieder eine Zeltvariante mit gebogenem Dach möglich sein wird. Es bleibt bei 180 Sitzplätzen und 2 Toiletten. Vorführraum und Eingangsbereich bekommen ein breites Vordach, damit man an der Kasse nicht mehr im Regen stehen muss. Das Kinowäldchen bleibt ein Wäldchen. Wege werden wir weder sperren noch vorschreiben. Besucher sind herzlich willkommen. Und wer weiß, vielleicht tanzen die Palucca-Schüler dann unter der großen Eiche vor dem Kino – bei Regen auch gerne im Kino. «
Die Anwohner haben die Befürchtung, dass das neue Kino und sein gestaltetes Parkumfeld zu größeren Belästigungen, vor allem Ruhestörungen führen werden. Ist es richtig, das zur Gewährleistung von „Stille und Ruhe“ die Spielzeiten offiziell (Auflage!) auf 22 Uhr begrenzt wurde?
» In der Vergangenheit spielte das Zeltkino gewöhnlich bis ca. 23 Uhr. Nun gibt es die Auflage, dass der Spielbetrieb vor 22 Uhr endet. Daran hat sich der Betreiber zu halten. Eine vorgeschriebene solidere Ausführung des neuen Kinos führt auch zu einer verbesserten Schalldämmung. An der Kinotechnik sind ebenfalls Verbesserungen vorgesehen. So kann beispielsweise durch eine veränderte Position der Lautsprecher die Geräuschemission herabgesetzt werden, ohne dass der Kinobesucher einen Unterschied bemerkt. «
Das alte Kino ist abgebaut. Das neue steht noch nicht. Wird es in diesem Sommer Kinovorführungen auf der Insel geben?
» Vorführungen an Ersatzspielorten sind geplant, damit unsere Gäste nicht auf das Kinoangebot verzichten müssen und die Existenzgrundlage für den Kinovorführer Thomas Gottschalk erhalten bleibt.
Der Bebauungsplan ist auf dem Weg, ebenso der Bauantrag. Bisher fielen alle Entscheidungen der Gemeindevertretung einstimmig zugunsten des Fortbestandes des Zeltkinos auf der neuen Fläche im Kinopark. Wenn das so bleibt, mache ich mir keine Sorgen über eine zügige Errichtung des Neubaus nach erteilter Baugenehmigung. Natürlich traten und treten bei der Umsetzung des Kinoneubaus Probleme auf, die auch dem Umstand geschuldet sind, dass wir wieder ein Zeltkino bauen wollen. Aber es gibt ein klares Votum der Inselpolitiker für das Zeltkino, und die Erwartung der Gäste ist hoch. An der Insel Information soll es nicht scheitern, dass es wieder heißen kann: „Komm mit ins Zeltkino!“ «
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 | Am 12. Juli und am 23. August waren der Extrementertainer Jens-Paul Wollenberg und Valerie Funkner, Leiter des Leipziger Tango Orchesters, mit ihrem Programm „Chansons für die Insel“ zu Gast im Zeltkino. 2009. |
 | Vom 07. September bis 12. September wurden im Rahmen der „Asta Nielsen Woche“ Filme der großen Schauspielerin gezeigt. Vorgestellt und betreut von Frau Karola Gramann (links) und Frau Natalie Lettenewitsch (rechts). Die Stummfilme wurden von der Pianistin Eunice Martins (mitte) begleitet. 2009. |
 | Der Dokumentarfilmer Dirk Szuszies war inkognito als Kartenabreißer im Zeltkino tätig. Im Anschluss an die Vorstellung diskutierte er mit dem Publikum über seinen Film "RESIST". 2005. |
 | Ohne Smoking und roten Schal ist Dieter Kosslick, Leiter der internationalen Filmfestspiele Berlin, zur Filmdiskussion "Gegen die Wand" ins Zeltkino gekommen. Er entschied sich aber kurzerhand, auch als Kartenabreißer seine Dienste anzubieten. 2004. |
 | Zwei Bayern auf Hiddensee: Die HDF-Ausschussvorsitzende Angela Lipp-Fläxl und Paul Fläxl aus Vilsbiburg besuchten das 40jährige Zeltkino-Hiddensee. 2004. |
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